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Die Zukunft der App-Entwicklung

Tote Pferden sollte man nicht reiten – bei der App-Entwicklung kommt es auf die richtige Idee an.

Totes Pferd in Bezug auf App-Entwicklung

Am 15. Dezember 2015 hatte das Social Media Balloon Team die Möglichkeit, an einem Gastvortrag von Eray Özmü, dem Geschäftsführer der econsor mobile GmbH, teilzunehmen. Da Herr Özmü Absolvent des Studiengangs Wirtschaftsinformatik ist, war es für unsere Studierenden umso reizvoller, seine Erkenntnisse und Erfahrungen auf dem Weg zur Selbständigkeit geschildert zu bekommen. Thema des Gastvortrages war „Businesses going mobile – the challenges and opportunities of mobile apps for businesses“ und handelte von den Herausforderungen, die Entwickler bei der Umsetzung von Apps zu nehmen haben. Anschließend konnten wir ein Interview mit ihm führen.

Im Vortrag wurden die wichtigsten Phasen einer App-Entwicklung, vom Konzept bis zur Veröffentlichung im App-Store, beschrieben.

Der Prozess besteht aus vier wesentlichen Schritten.

Schritt 1: Innovative App Idee

Als besonders wichtigen Punkt sieht Herr Özmü die Idee hinter der App. Es ist ratsam, ein neues und innovatives Konzept zu haben. Gerade bei der App-Entwicklung mit Netzeffekten ist es wichtig, keine Kopie von bereits etablierten Apps zu erstellen – das führt nur in seltenen Fällen und mit einem entsprechenden Werbebudget zum Erfolg.

Schritt 2: App Ranking und Nutzerzufriedenheit pflegen

Wenn die App erfolgreich entwickelt wurde, sind folgende Punkte zu beachten:

  • ein erfolgreiches Ranking
  • Nutzerzufriedenheit

Das Ranking lässt sich an der Download-Rate festlegen. Je öfter die App heruntergeladen wurde, desto höher steigt sie im Ranking. Dabei spielt aber auch die Verweildauer der App auf den Geräten der Nutzer eine große Rolle. Gute Apps verweilen lange auf den Geräten und werden spät, oder nie gelöscht. Die großen AppStores sehen dies – neben der Nutzerzufriedenheit – verständlicherweise als Qualitätsmerkmal.
Die Nutzerzufriedenheit lässt sich anhand von Bewertungen und Kommentaren messen. Über Bewertungen ist es möglich, auf Kritiken einzugehen und die App nach dem Wunsch der Nutzer zu verbessern.

Schritt 3: App implementieren und optimieren

Sobald die App in den jeweiligen App Stores vorhanden ist, muss diese leicht auffindbar sein. Die Suche muss über passende Keywords erfolgen. Der Titel, unter dem die App veröffentlicht wird, sollte kurz und prägnant den Sinn der App beschreiben und sich dementsprechend selbst erklären. Man sollte dabei auf den Firmennamen verzichten, sofern dieser nichts mit dem Sinn der App zu tun hat.

Schritt 4: App Budget sinnvoll nutzen

Der vierte Schritt begleitet das gesamte Entwicklungsprojekt. Es geht um die sinnvolle Nutzung des Budgets. Wenn die ersten drei Schritte keinen großen Erfolg bringen, weil zum Beispiel das Konzept nicht innovativ war oder die Weiterentwicklung zu viel Geld kosten wird, ist es wichtig zu erkennen, wann das Projekt keinen Sinn mehr macht.

Mit dieser Erkenntnis kommen wir auf das Bild vom toten Pferd zurück, welches oben zu sehen ist.
Es macht wenig Sinn ein totes Pferd weiterhin zu reiten. Es ist wichtig, das Scheitern eines Projektes zu erkennen und rechtzeitig abzusteigen, da ansonsten zu viel Budget in die Rettung des Projekts investiert wird.

Mercedes-Benz / Automotive Lighting

Ein Beispiel für sowohl erfolgreiche, als auch innovativ umgesetzte Apps, sind die Automotive Lighting Apps für Mercedes Benz. Mit Hilfe der App ist es möglich, die unterschiedlichen Beleuchtungen eines Fahrzeugs in verschiedenen Situationen einzusehen und sich als eine Art von Video auf dem mobilen Endgerät ausgeben zu lassen. Es handelt sich dabei nicht nur um eine App, sondern um mehrere Apps, welche einzelne Fälle abdecken.

Weitere Projekte von econsor mobile finden Sie auf www.econsor-mobile.de.

Im folgenden Interview mit Eray Ömzü gehen wir auf die Zukunft der App-Entwicklung ein.

Prof. Dr. Sonja Salmen: Wie sieht die Zukunft der Apps, im Hinblick auf das Internet der Dinge, Ihrer Meinung nach aus? Was kommt nach den Apps?

Eray Özmü: Natürlich ist die Frage nach der Zukunft der Apps nur sehr schwer zu beantworten – dieser Bereich ist sehr schnelllebig und bringt oft große Überraschungen mit sich. Was man aber relativ sicher sagen kann ist, dass die Technologien für Virtual Reality und Augmented Reality in wenigen Jahren endlich ausgereift genug sein werden. Diese Technologien, die vorher nur technische Spielereien waren, werden einfacher bedienbar sein und einige Nutzer in den Bann ziehen. Fast jedes große Unternehmen aus der Software-Branche beschäftigt sich gegenwärtig mit diesen Themen (Google, Microsoft, Sony,…). Welches Unternehmen sich dabei durchsetzen wird, steht aber noch in den Sternen geschrieben. Noch ist beispielsweise die „Motion-Sickness“ ein Problem, das die Übelkeit beschreibt, die den Nutzern von Virtual-Reality Spielen und Apps wiederfährt.

Prof. Dr. Sonja Salmen: Wie kommt die empfundene Übelkeit denn genau zustande? Man schaut in diese Brille und denkt, dass man sich bewegt?

Eray Özmü: Die auf dem Bildschirm gezeigte Realität wird als zu „immersiv“ empfunden. Die virtuelle Realität passt mit den empfundenen Beschleunigungen nicht überein und der Körper sieht etwas anderes, als er fühlt. Das führt gerade in virtuellen Achterbahnfahrten zu Problemen.

Prof. Dr. Sonja Salmen: Virtual Reality ist also die Zukunft der App Entwicklung?

Eray Özmu: Ich bin mir ziemlich sicher, dass es in diese Richtung gehen wird. Gerade auch, weil die großen Unternehmen in diese Technologie investieren und weil die Basistechnologie jetzt auch für Softwareentwickler vorhanden ist. Jetzt können auch App-Entwickler selbst Apps für Virtual Reality mit vertretbarem Aufwand entwickeln.

Ein weiteres Feld ist die Augmented-Reality. Ein Beispiel dafür ist die „HoloLens“ von Microsoft. Es ermöglicht dem Nutzer virtuelle Objekte, wie zum Beispiel Modelle oder Bildschirme, in einem realen Raum zu positionieren und zu fixieren. Das funktioniert über eine Virtual Reality Brille.

Mit dieser Technologie wäre es möglich, einen eigenen Arbeitsplatz zu erschaffen. Man geht seiner Arbeit nach und die virtuellen Bildschirme befinden sich an der fixierten Stelle. Die Position kann gespeichert werden. Es ist ein innovativer Ansatz, den andere Unternehmen noch nicht in dieser Form umgesetzt haben. Die Realität wird um virtuelle Elemente erweitert. Anstatt physischer Bildschirme lassen sich mehrere Bildschirme an beliebigen Positionen setzen.

Prof. Dr. Sonja Salmen: Sehen andere Personen den erschaffenen Arbeitsplatz auch?

Eray Özmu: Man kann den Arbeitsplatz auch gemeinsam mit anderen nutzen. Die Arbeitsplätze werden auf den jeweiligen Brillen synchronisiert.

Prof. Dr. Sonja Salmen: Maschinen werden dafür nicht mehr benötigt? Der Raum könnte also von dem Arbeitenden genutzt werden, während andere Personen ihren Geschäften nachgehen ohne dabei gestört zu werden?

Eray Özmu: Es wäre natürlich super, wenn man keine Bildschirme nutzen müsste. Ich stelle mir dabei die Frage, wie es denn ist, acht Stunden lang an einem Softwareprojekt mit Hilfe von HoloLens zu arbeiten? Wie wirkt es sich auf meine Augen aus, wenn ich die Brille einen Arbeitstag lang tragen muss? Die Zukunft wird zeigen, wie diese Technologie sich in den Arbeitsalltag integrieren lässt.

Prof. Dr. Sonja Salmen: Augmented Reality bietet viele Vorteile, birgt es denn auch Gefahren?

Eray Özmu: Durch die realitätsnahe Darstellung besteht die Gefahr, dass soziale Kontakte vernachlässigt werden. Viele werden sich die Frage stellen, wieso sie aus dem Haus gehen sollen, um eine reale Person kennen zu lernen, wenn sie ihre Brille haben.

Frau Salmen: Wie hoch sind denn die Kosten für aktuelle Technologien?

Eray Özmu: Wenn man auf die Technologie von Samsung zurückgreift, benötigt man zum Beispiel das aktuelle Samsung Galaxy S6, welches sich momentan für ca. 400-500 Euro erwerben lässt. Zusätzlich wird die Gear VR Brille für ca. 200 Euro benötigt, in die das Smartphone eingelegt wird. Die Gesamtkosten für die Samsung Variante betragen also ca. 700 Euro.

Prof. Dr. Sonja Salmen: Um nochmal auf die App-Entwicklung zurück zu kommen. Was würden Sie kleinen Unternehmen raten, die eine App entwickeln möchten?

Eray Özmü: Als erstes ist es wichtig, sich professionelle Beratung einzuholen, da gerade in frühen Phasen große Fehler begangen werden können. Zum Beispiel wenn man eine Plattform mit Benutzerlogins aufbauen möchte, kann man auf bereits vorhandene Plattformen zurückgreifen, die zuverlässig funktionieren und Entwicklungszeit sparen. Das wissen viele nicht und verschwenden Ressourcen und Geld. Erstgespräche sind stets kostenlos und sollten von Interessenten immer genutzt werden.

Herr Özmü und Frau Salmen um Anschluss an den Gastvortrag über App Entwicklung
Herr Özmü und Frau Salmen im Anschluss an den Gastvortrag

 

Vielen Dank an Herrn Özmü für diese interessanten Einblicke.
Prof. Dr. Sonja Salmen & Social Media Balloon Team

 

 

Bildquelle:
Totes Pferd:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cern%C3%BD_Wenceslas.JPG#/media/File:Cern%C3%BD_Wenceslas.JPG%22%3ECern%C3%BD%20Wenceslas%3C/a%3E%E2%80%9C%20von%20No%20machine-readable%20author%20provided.%20%3Ca%20title=%22User:Polyparadigm~commonswiki

 

Über Hermann Michel

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