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Digitale Demenz – Volkskrankheit Nummer 1?

Können Sie sich noch an die Zeiten erinnern, als Sie die Festnetznummer Ihrer besten Freundin auswendig wussten? Oder als eine Straßenkarte für Sie nicht nur unter Google-Maps zu finden war, sondern in Papierform im Auto griffbereit lag?

Die Zeiten haben sich geändert und mit ihr auch die Art, wie wir unser wichtigstes Organ verwenden –  unser Gehirn.

Manfred Spitzer ist ein bekannter und renommierter Gehirnforscher, der durch sein Buch „ Digitale Demenz “ in deutlicher Art aufführt, dass digitale Medien nicht nur positiven Einfluss auf unsere Entwicklung haben.

So geht Spitzer gerade im Bereich der schulischen Bildung, sehr genau darauf ein, dass durch die vermeidlich positiven neuen Techniken wie Smartboards und Laptops, die Lernleistung nicht verbessert, sondern sogar verschlechtert wird [1]. Der Lernerfolg beim Abschreiben von der Tafel wird durch elektronische Medien weitestgehend eliminiert. Liest man dazu das Buch „Denken, Lernen, Vergessen“ von Frederic Vester, so klingen die Annahmen von Spitzer nachvollziehbar. Behauptet Vester, dass der beste Lernerfolg bei der Verwendung aller Sinne eintritt [2], so widerspricht dies vielen heutigen Lernmethoden mit digitale Medien [3].

Demenz stellt den Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit dar [4] und ist unter dem Begriff „Alzheimer“ bekannt. Man spricht in diesem Bereich auch vom Ausfall der kognitiven Leistungsfähigkeit. Könnte man demnach eine „Digitale Demenz“, als den Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit durch digitale Medien interpretieren? Spitzer sieht das Risiko der digitalen Medien darin, dass sie uns dazu verleiten, viele Dinge einfach in die „digitale Wolke“ auszulagern, ohne sich diese wirklich zu merken. Schließlich ermöglichen uns Suchmaschinen immer wieder auf Informationen zu zugreifen, ohne dass wir uns selbst etwas merken müssen [5]. Im Übrigen beginnt dieser „Muskelabbau“ laut Manfred Spitzer in unserem Gehirn nicht erst dann, wenn wir beruflich in Kontakt mit digitalen Medien treten. Bereits unsere kleinsten Mitmenschen werden durch neue Medien beeinflusst. So hat sich in den letzten Jahren bereits eine breite Produktpalette für die Zielgruppen im Alter von 4 bis 24 Monate gebildet, für die sogar eigene Fernsehserien produziert werden [1].

Aber nicht nur unser Lern- und Arbeitsverhalten hat sich durch die neuen digitalen Medien verändert. Facebook und Co. befriedigen das menschliche Verlangen nach Kontakt zu Mitmenschen. Durch ihre Anonymität führen sie aber auch dazu, dass sich unser Sozialverhalten ändert, so Spitzer. Es ist einfacher zu lügen, zu lästern und zu mobben. Die Folgen daraus können, laut Spitzer, Einsamkeit und Depression sein. Im späteren Verlauf kann sich sogar eine Verkleinerung des sozialen Gehirns einstellen [7].

Manfred Spitzer führt in seinem Buch durch zahlreiche Beispiele auf, warum digitale Medien durchaus der Grund sein können, dass wir in der Zukunft von der Volkskrankheit „Digitale Demenz“ reden werden.

Brain
„Unser Gehirn muss regelmäßig trainiert werden, um einer Demenz vorzubeugen.“

Was aber können wir tun, um unseren wichtigsten Muskel auch im digitalen Zeitalter zu fördern und einer frühen Demenz vorzubeugen? Im Prinzip müssen wir nichts anderes tun, als mit anderen Muskeln. Wir müssen unser Gehirn trainieren und dies dauerhaft und regelmäßig. Ohne die Verwendung von Smartphone, Tablet oder PC. Zudem ist es wichtig, unser Sozialverhalten zu trainieren und das nicht über Plattformen wie Facebook, sondern durch realen zwischenmenschlichen Kontakt. Nichts fördert unseren Gehirnmuskel mehr und beugt im Alter der Demenz vor [8].

 

Wie aber können wir uns solch ein Gehirntraining vorstellen? Hier haben wir für Sie einige einfache Tipps:

  • Nichts unterstützt die Reduzierung unseres geistigen Verfalls mehr, als das Erlernen einer Fremdsprache. Warum also nicht einfach einen Sprachkurs an der Volkshochschule besuchen oder die alten Englischbücher wieder einmal heraus suchen.
  • Musik unterstützt unsere Gehirnaktivitäten. Hören Sie bewusst Musik, dadurch steigern Sie Ihre Glücksgefühle und können sich zusätzlich entspannen.
  • Gehen Sie regelmäßig raus in die Natur. Genießen Sie die Luft und erfreuen Sie sich am Anblick der Landschaft. Dies tut Körper und Geist gut. Wenn Sie sich dabei auch noch sportlich betätigen, fühlen Sie sich danach noch besser [9] und steigern dadurch sogar Ihre kognitive Leistungsfähigkeit [10].
  • Auch Spiele (natürlich keine Online-Spiele) fördern die soziale Kompetenz und können vor allem in vielen Fällen mit Kindern zusammen durchgeführt werden. Spielen Sie doch einfach mal wieder „Wer bin ich?“ [11].
  • Sie wollten schon immer mal wissen, was Sie sich alles merken können. Testen Sie doch einfach einmal Ihre Lern- und Merkfähigkeit.

 

[1] Titel: „Digitale Demenz“, Autor: Manfred Spitzer, Verlag: Droemer Verlag, Erschienen: 2012, ISBN: 978-3-426-27603-7, S. 75 – 83

[2] Titel: „Denke, Lernen, Vergessen“, Autor: Frederic Vester, Verlag: Deutschen Taschenbuch Verlag, Erschienen: 36. Auflage 2014, ISBN: 978-3-423-33045-9

[3] Titel: „Digitale Demenz“, Autor: Manfred Spitzer, Verlag: Droemer Verlag, Erschienen: 2012, ISBN: 978-3-426-27603-7, S. 94 – 95

[4] Titel: „Demenz“, Herausgeber: Bundesministerium für Gesundheit; Link: http://www.bmg.bund.de/themen/pflege/demenz/krankheitsbild-verlauf.html , Abgerufen am : 14.04.2015

[5] Titel: „Digitale Demenz“, Autor: Manfred Spitzer, Verlag: Droemer Verlag, Erschienen: 2012, ISBN: 978-3-426-27603-7, S. 107– 108

[6] Titel: „Digitale Demenz“, Autor: Manfred Spitzer, Verlag: Droemer Verlag, Erschienen: 2012, ISBN: 978-3-426-27603-7, S. 136– 141

[7] Titel: „Digitale Demenz“, Autor: Manfred Spitzer, Verlag: Droemer Verlag, Erschienen: 2012, ISBN: 978-3-426-27603-7, S. 127– 128

[8] Titel: „Digitale Demenz“, Autor: Manfred Spitzer, Verlag: Droemer Verlag, Erschienen: 2012, ISBN: 978-3-426-27603-7, S. 196– 198

[9] Titel: „Digitale Demenz“, Autor: Manfred Spitzer, Verlag: Droemer Verlag, Erschienen: 2012, ISBN: 978-3-426-27603-7, S. 322– 326

[10] Titel: Kognitive Leistungsfähigkeit: Lauf dich schlau, Autor: Christian Heinrich, Verlag: Spiegel Online, Link: http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/sport-steigert-das-gehirn-leistungsvermoegen-a-917596.html, Abgerufen am: 27.04.2015

[11] Titel: „Wer bin ich?“, Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Wer_bin_ich%3F

 

Über Johanna Effenberger

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