Home / Open Innovation / Interview mit Dr. Alexander Hahn / HYVE Innovation Community
Cross industry innovation

Interview mit Dr. Alexander Hahn / HYVE Innovation Community

Am 19. Januar 2015 hielt Dr. Alexander Hahn von der HYVE Innovation Community im Rahmen der Vorlesung Social Relationship Management einen Gastvortrag über Methoden, Best Practices und Erfolgsfaktoren von Open Innovation in B2C und B2B Märkten.
Im Anschluss an den Vortrag hatten wir die Gelegenheit, zusammen mit Frau Prof. Dr. Sonja Salmen ein spannendes Interview mit Herr Hahn zu führen. Themen des Interviews waren unter anderem die Vorteile von Open Innovation, Methoden zur Innovationsgenerierung, Erfolgsfaktoren bei Innovationen mit Communities und eine Fallstudie der Harvard Business School.

HYVE Innovation Community, Logo

Social Media Balloon: Vielen Dank, dass Sie sich für ein Interview mit uns Zeit nehmen. Stellen Sie sich unseren Lesern bitte kurz vor.

Dr. Alexander Hahn: Ich bin Projektleiter bei HYVE Innovation Community und beschäftige mich mit der Analyse, Konzeption und Umsetzung von Open Innovation Projekten. HYVE ist eine Open Innovation Agentur, die sich integriert darum kümmert, Innovationsbedürfnisse zu erkennen, Innovationsideen zu entwickeln und zu konzipieren und Innovationsideen bis hin zur Markteinführung zu bewerten und auszuarbeiten. Wir beraten namhafte deutsche DAX-Unternehmen und auch kleine und mittelständische Unternehmen und unterstützen diese bei der Umsetzung. HYVE ist seit dem Jahr 2000 in diesem Gebiet tätig und hat etwa 80 Mitarbeiter.

Social Media Balloon: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Vorteile für Unternehmen, die durch Open Innovation entstehen?

Dr. Alexander Hahn: Es sind vielschichtige Vorteile, die durch Open Innovation Strategien oder einzelne Open Innovation Projekte entstehen. Auf der einen Seite steht natürlich der konkrete Projektnutzen: Für einzelne Fragestellungen oder auch übergreifende Themen neue Ansätze, Ideen, Konzepte und Designs kreieren und diese mit Hilfe von Community selektieren und bewerten. Auf der anderen Seite auch ein kultureller Aspekte: Durch das Durchführen von Open Innovation Projekten werden den Mitarbeitern starke Signale gesendet, dass Innovationskultur und Innovationsansätze vom Management wertgeschätzt werden und dem Unternehmen eine gelebte Innovationskultur mit offenen Ansätzen am Herzen liegt. Man hat also einerseits den konkreten Output und andererseits den positiven Effekt auf die Unternehmenskultur.

Social Media Balloon: Warum ist es für Unternehmen wichtig das Thema Open Innovation nicht zu vernachlässigen? Welche Nachteile können dadurch entstehen?

Dr. Alexander Hahn: Wir führen bei HYVE Open Innovation Projekte für sehr viele unterschiedliche Unternehmen durch, von Großkonzernen über Mittelständlern bis hin zu Start-Ups. Außerdem arbeiten wir mit vielen unterschiedlichen Branchen wie beispielsweise der Automobilindustrie, Pharmafirmen oder auch Dienstleistern. Dabei können wir beobachten, dass Open Innovation für alle unsere Kunden sehr positive Effekte bringt. Neben dem konkreten Output und kulturellen Faktoren, die ich eben schon angesprochen habe, ist es oftmals auch eine gute Möglichkeit, um keinen sogenannten „Blind Spot“ im Innovationsbereich zu haben, also Themen, die das Unternehmen nicht auf dem Radar hatte. Ein weiterer wichtiger Faktor ist auch, dass man nicht nur Mainstream-Ideen bekommt, sondern auch etwas kreativere und ausgefallenere Themen identifiziert werden. Diese Themen müssen nicht sofort umsetzbar sein – sie helfen aber, das interessante Punkte, die das Unternehmen noch nicht so im Fokus hatte, in das Bewusstsein des Unternehmens gerufen werden. Vor allem wenn man branchenübergreifend Themen mit Open Innovation Projekten angeht gibt es spannende Anknüpfungspunkte, die nur mit Closed Innovation in der Regel nicht im Fokus des Unternehmens wären.

Frau Prof. Dr. Sonja Salmen im Interview mit Dr. Alexander Hahn von der HYVE Innovation Community

Frau Prof. Dr. Sonja Salmen im Interview mit Dr. Alexander Hahn

 

Social Media Balloon: Können Sie uns einige Beispiele für Methoden geben, die Sie zur Generierung von Innovationen nutzen?

Dr. Alexander Hahn: Da HYVE ein Dienstleister ist, der Innovationsmethoden über den kompletten Zyklus der Innovationsfindung anbietet, setzen wir ein breites Portfolio an unterschiedlichen Innovationsmethoden ein. Diese reichen vom Erkennen latenter Kundenbedürfnisse bis hin zur Markteinführung konkreter Produkte. Zur Generierung von Innovationsideen setzen wir z.B. sowohl auf Online als auch Offline Methoden und, wenn sinnvoll, integrieren diese auch. Dies reicht von Lead-User-Workshops, Online-Ideenwettbewerben bis hin zu umfangreichen Open Innovation Programmen – sowohl innerhalb von Unternehmen als auch extern mit Kunden, Zulieferern und Playern aus anderen Industrien.

Social Media Balloon: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren bei Innovationen mit Hilfe von Communities?

Dr. Alexander Hahn: Zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren zählt sicher, dass in der Konzeption, im Community-Management und auch bei der Implementierung ein professioneller und transparenter Prozess aufgesetzt wird. Schon bei der Konzeption ist es extrem wichtig, dass man sich konkret überlegt, was die Zielsetzung und die Fragestellung ist und dass man diese verständlich formuliert. Außerdem ist der Fokus auf die richtige Community essentiell. Um diese zu erreichen sollte man sich vorher Gedanken über die richtige Zielgruppe machen, über die Kanäle, mit denen man diese Zielgruppen auch erreicht, und auch wir man die Zielgruppe motiviert, sich zu engagieren. Motivation ist dabei immer intrinsisch und extrinsisch zu betrachten – extrinsisch z.B. über Preise, die man gewinnen kann oder über Prestige, einen Wettbewerb zu gewinnen. Wir sehen bei vielen unserer Projekte aber auch, dass sehr gute Innovationsideen vor allem über intrinsisch motivierte Teilnehmer entstehen. Dies sind Personen, die wirklich Lust auf das Thema haben, sich mit dem Unternehmen beschäftigen wollen oder einfach Spaß haben, kreativ zu sein. Darüber hinaus ist es wichtig innerhalb der Community klare und transparente „Spielregeln“ zu haben und deutlich zu machen, was erwünscht ist und was nicht erwünscht ist. Dies gibt einem auch die Möglichkeit, unerwünschtes Verhalten sanktionieren zu können. Als letzten wichtigen Punkt möchte ich anführen, dass die Kommunikation stets transparent sein sollte. Es sollte also nachvollziehbar kommuniziert werden, was mit generierten Ideen passiert, welche Einreichungen aus welchen Gründen gewinnen. Hier sollte man auch Nachfragen fundiert beantworten können.

Prof. Dr. Sonja Salmen: Sind denn Themen wie Open Innovation und der Einsatz von Communities nur ein Thema für deutsche DAX-Unternehmen oder macht dies auch für mittelständische Unternehmen Sinn?

Dr. Alexander Hahn: Das Thema Open Innovation nimmt seit 10 – 15 Jahren immens an Bedeutung zu. Dies wurde vor allem durch Informations- und Kommunikationstechnologien und maßgeblich durch die Verbreitung des Internets ermöglicht. Dadurch wurde das Zusammenspiel der beteiligten Akteure, also der Innovatoren, der Unternehmen, der Dienstleister und Zulieferer viel einfacher und kostengünstiger. Zu Beginn wurde das Thema in Deutschland noch maßgeblich von DAX-Unternehmen getrieben, da die Thematik noch mit höheren Kosten verbunden war und einen hohen Entwicklungsbedarf in Richtung IT-Systeme hatte. Wie bei vielen digitalen Dienstleistungen haben sich die Kosten aber signifikant reduziert und dies ermöglicht es, sehr erfolgreiche und effiziente Open Innovation Prozesse und Projekte auch für kleine und mittelständische Unternehmen aufzusetzen.

Prof. Dr. Sonja Salmen: Welche der großen Konzerne würden Sie zu den Top-Playern im Bereich Open Innovation zählen?

Dr. Alexander Hahn: Siemens durften wir viele Jahre in Open Innovation Projekten begleiten, wie in einer Case-Study der Harvard Business School detailliert beschrieben ist. In der Fallstudie wird gezeigt wie Siemens, einen der weltweit führenden Innovatoren im Energie-, Gesundheits- und Industriesektor, neue Forschungs- und Entwicklungsmethoden durch Open Innovation ergänzt. Dies beinhaltet z.B. die Durchführung mehrerer interner und externer Crowdsourcing-Contests. Hierbei wurde das Augenmerk auch auf die Etablierung interner Open Innovation Communities innerhalb des Siemens-Konzerns. Implementiert wurde das Open Innovation Programm z.B. durch die Installation interner sozialer Wissensaustausch-Plattformen oder auch die Nutzung externer Plattformen. Inhaltlich fokussierten sich die Projekte auf so unterschiedliche Themen wie Infrastruktur, Städtegestaltung oder Nachhaltigkeit.

Nähere Informationen zu diesem Thema und die komplette Case-Study der Harvard Business School finden Sie hier.

 

Über Simon Klein

Student der Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Heilbronn mit den Vertiefungsrichtungen IT-Management und Social Media Management

Siehe Auch

Businessman working with tablet and social media

Die Zukunft der App-Entwicklung

Tote Pferden sollte man nicht reiten – bei der App-Entwicklung kommt es auf die richtige …