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Personalentwicklung und Karriereförderung 2.0: Trends & Zukunftsstrategien Teil 2

Wie bereits in Teil 1 angekündigt, stellen wir heute Beispiele aus der Praxis vor.

Viele Internet-Anwendungen und Social Media Tools werden von Unternehmen als informelle Lernwerkzeuge genutzt. Das Potenzial des informellen Lernens scheint zwar erkannt zu sein, es kommt aber im Trainingsbereich noch wenig zum Einsatz. Einige Firmen nutzen jedoch die vielfältigen Möglichkeiten und setzen Social Media erfolgreich für die Personalentwicklung und Karriereförderung ein. Anbei einige Beispiele.

Fraport:

Mit seinem “Skywiki” ist Fraport das wohl bekannteste Unternehmenswiki in Deutschland. Das Wiki wird zur Generierung und zum Transfer von Wissen für das Personal eingesetzt. Nach anfänglichen Problemen bei der Einführung des Wikis, aufgrund der fehlenden Mitarbeiterakzeptanz, ist das System mittlerweile sehr effektiv im Einsatz. Tausende Begriffe zu den Kategorien Airport,  bereichsspezifische  Glossare,  Projekt-  und  Arbeitsablaufbeschreibungen werden hier diskutiert, helfen den Mitarbeitern bei ihrer Arbeit und werden für Lernprozesse angewendet.

Anschaulich und verständlich erklärt Helmut Sins, Leiter Medieninformationssysteme der Fraport AG, in einem ausführlichen Video die Einführung, den Nutzen und die Erfolge von Skywiki.

Bayer AG:

Ein weiteres positives Beispiel für die Einführung eines erfolgreichen Social Media Einsatzes zum Zweck der Personalentwicklung zeigt die Bayer AG. Da viele Mitarbeiter noch nicht ausreichend Erfahrung mit den neuen Medien haben, führt das Unternehmen individuell gestaltete Kompetenztrainings durch, in denen die Grundlagen von Social Media in Workshops vermittelt werden. „Social Media Education“ nennt die Bayer AG diesen Bestandteil ihres Weiterbildungsportfolios. Die Lernumgebung für Social Media stellt das Programm „Enjoy Social Media“ dar, mit dem die Teilnehmer über Netzwerke und verschiedene virtuelle Räume ein entsprechendes Kommunikationsverhalten erlernen können und alle Social Media Tools greifbar werden. Die Bayer AG erhofft sich dadurch, die eigenen Mitarbeiter von Social Media zu überzeugen und aktiv in die Gestaltung und Nutzung einzubeziehen. Gleichzeitig werden in dieser neuen Lernumgebung auf verschiedensten Kanälen Lehrinhalte vermittelt und Kommunikation ermöglicht. Diese dienen unter anderem der Personalentwicklung und Karriereförderung. Beispiele sind: eCollaboration mit Wikis und Blogs, eContent in Form von Pod- und Videocasts oder dem Blended Learning mit Hilfe von Chats, Online-Umfragen oder Virtual Classrooms.

SAP JAM:

Eine mögliche Strategie beim Einsatz von Social Media für die Personalentwicklung und Karriereförderung ist die Nutzung einer Social Media Software. Eine interessante Plattform stellt hierbei das Produkt aus dem Hause SAP namens „SAP Jam“ dar. Das folgende Video zeigt, wie die Enterprise Social Software als Learning Management System für das eigene Personal in einer fiktiven Firma für Solarenergielösungen einsetzbar ist und wie die einzelnen Teilnehmer Know-how austauschen, Erfahrungsberichte weitergeben oder Tipps teilen können und sich damit gegenseitig bei der Weiterentwicklung helfen.

Weitere Best Cases:

Volkswagen: Online-Lernsoftware auf Basis von Social Games für Mechatronik-Auszubildende oder Technik-Interessierte um Lehrinhalte zu ergänzen.

Alcatel-LucentVideo-Sharing-Plattform auf der Mitarbeiter selbst Inhalte erstellen und auf der Plattform anderen zur Verfügung stellen können. Die Beiträge erklären Tools, Produkte und Lösungen, Strategien, Tagungsberichte, Karrieremöglichkeiten und vieles mehr.

Pentos: Fallstudie als PDF zur erfolgreichen Einführung eines Mitarbeiterblogs der Pentos AG. Ziel ist, dass über den Blog alle Mitarbeiter im Unternehmen voneinander lernen.

Credit SuisseEigener YouTube Channel mit zahlreichen Tipps für die Mitarbeiter. Themen reichen von „Motivation“ und „Talents“ bis „Coaching“ und „Health“. Auch Experten-Interviews und Quiz-Spiele sind verfügbar.
 
Vor- und Nachteile von Corporate Learning 2.0

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil sind die massiven Einsparungen finanzieller, personeller und zeitlicher Ressourcen, die beim Einsatz von Social Media-Learning verzeichnet werden können. Ein weiteres Argument für den Einsatz von Corporate Learning 2.0 Instrumenten ist, dass Lerninhalte für alle zugänglich sind, damit diskutierbar und gegebenenfalls veränderbar werden. Im weiteren Sinn lebt dieses Konzept sogar von Interaktivität und Multimedialität der Lerninhalte. Lernprozesse werden also insgesamt dynamischer, was den Prozess der Personalentwicklung wesentlich beschleunigen und vereinfachen kann.
Weitere Vorteile sind zum Beispiel: Keine überfüllten Seminarräume, keine Unterrichtsausfälle wegen Krankheit, keine Nebengeräusche, mehr Vorbereitungszeit für Nichtmuttersprachler und vieles mehr.

Doch auch einige Nachteile gibt es zu beachten. So setzen die neuen Social Media Plattformen unter Umständen einen hohen Technisierungsgrad voraus und werden von der jeweiligen IT- und Medienkompetenz der Lehrer und Lernenden beeinflusst. Zudem bedarf es beim Einsatz dieser neuen Lernformen natürlich der Akzeptanz des Personals. Sicherlich ist teilweise auch mit wenig Gegenliebe bei den Mitarbeitern zu rechnen. Darauf müssen sie sich einstellen. Ebenso ist zu beachten, dass nicht jeder Lernbereich für diese neuen Methoden geeignet ist. Bei komplexen Themen ist der Frontalunterricht einfach noch nötig und sinnvoll. Dies sind nur einige Nachteile die aufgeführt werden.

Abschließend lässt sich sagen, dass beim Lernen mit Social Media ganz neue Kompetenzen bei den Akteuren in der Aus- und Weiterbildung erforderlich sind. Kommunikation, Kollaboration, Inhalte selbst erstellen und der Präsentations- beziehungsweise Veröffentlichungsgedanke sind einige Eigenschaften auf die es besonders ankommt.

Die Zukunft der Personalentwicklung und Karriereförderung

Die Bedeutung von Social Media für die Personalentwicklung und Karriereförderung nimmt langsam zu. Dennoch scheuen sich viele Unternehmen noch, aktiv in das Thema einzusteigen oder starten ihre Social Media-Aktivitäten nur langsam und halbherzig. Dabei findet das Lernen heute längst nicht mehr nur im Seminarraum oder am Arbeitsplatzrechner statt. Mitarbeiter sind häufig und lange außerhalb der Firmenzentrale unterwegs, nutzen flexible Arbeitszeitvereinbarungen und schätzen das Angebot, schnell und bei Bedarf auf für sie wichtige Informationen zuzugreifen und dabei vom Netzwerkeffekt von Social Media zu profitieren. Hier wird in Zukunft sicherlich das Thema „Mobile Learning“ immer wichtiger werden. So lassen sich bspw. Audio-Lernlektionen via Smartphone schon jetzt für das Lernen unterwegs abrufen. Mit Smartphones kann man aber bspw. auch Lerntexte lesen und interaktive Tests durchführen.

Des Weiteren wird das Social Learning beispielsweise mit Hilfe von Social Communities eine immer größere Rolle einnehmen und in Unternehmen auf der ganzen Welt eingesetzt werden. Ebenso wird die Möglichkeit des Game Based Learning auf diversen Social Media Plattformen ein weiterer Baustein sein, um das eigene Personal fit zu machen und Karrieren auf spielerische Weise zu fördern. Insgesamt wird Social Media die traditionellen Ansätze der Personalentwicklung aber nicht verdrängen, sondern vielmehr ergänzen.

Das Personalmanagement hat bei der Personalentwicklung und Karriereförderung in den kommenden Jahren also eine Vielzahl von Herausforderungen zu meistern. Wichtig ist, dass Unternehmen diesen Prozess ernst nehmen und Schritt für Schritt einführen. Denn, um es frei nach Michail Sergejewitsch Gorbatschow zu sagen: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“.

 

Über Martin Bässler

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