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Design Thinking – Ein aktuelles Buzzword vom Usability Experten erklärt

Social Media Balloon: Vielen Dank, dass Sie sich für ein Interview mit uns Zeit nehmen. Stellen Sie sich unseren Lesern bitte kurz vor.

Mein Name ist Philip Zerweck. In den letzten 20 Jahren hatte ich die unterschiedlichsten Stellen inne. Meine berufliche Laufbahn begann mit einer Ausbildung als Feinmechaniker. Daraufhin folgte ein Produktdesign Studium mit der Spezialisierung auf Systemdesign und visuelle Kommunikation. Des Weiteren studierte ich Visuelle Kommunikation / Grafikdesign und erlangte einen künstlerischen Abschluss. Aus reinem Interesse studierte ich zusätzlich Wirtschaft, Innovationsmanagement und Maschinenbau. Ebenso war ich wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Fachbereichen Produktdesign / Industrial Design und Maschinenbau / Mensch-Maschine-Systeme. Parallel bin ich als freiberuflicher Produktentwickler und Designer tätig und lehre nun seit 18 Jahren.

Social Media Balloon: Was hat Sie dazu motiviert in dieser Branche tätig zu werden?
Philip Zerweck:

Meiner Meinung nach bin ich nicht in einer Branche, sondern branchenübergreifend tätig. Da ich schon immer neue Dinge erfinden wollte, zog es mich zunächst in das Ingenieurswesen. Da der klassische Ingenieur als Erfinder und Innovator aber leider ausgestorben ist, entschied ich mich dazu im strategischen Produktdesign tätig zu werden, da dort die Weichen für neue Produkte gestellt werden.

Social Media Balloon: Beschreiben sie Design Thinking im Zeitalter der digitalen Transformation?
Philip Zerweck:

Das wichtigste bei Design Thinking ist das es sich hierbei nicht um eine Methode handelt, sondern um die Art und Weise wie man entwickelnd denkt. Nicht das Beschönigen, sondern das Verstehen wie Menschen zu einer Antwort über die Zukunft kommen steht im Vordergrund. Digitalisierung ist ein aktuelles Buzzword obwohl sie schon seit den 70ern durchaus relevant war. Zwar war es damals noch nicht so naheliegend und den meisten Leuten unbekannt, größere Unternehmen und Global Player haben sich aber schon damals mit den Themen rund um die Möglichkeiten der IT beschäftigt. Was sich verändert hat ist, dass nun nicht nur die Global Player auf die Digitalisierung achten, sondern auch der kleinste Betrieb verstanden hat, dass die gesamte Welt durchdrungen ist.

Social Media Balloon: Wie grenzt sich Design Thinking gegenüber anderen Problemlösungsansätzen ab?
Philip Zerweck:

Überhaupt nicht, Design Thinking ist ein Ansatz dem mehrere bekannte Prozesse und Methoden zugrunde liegen. Um die Frage was in der Zukunft relevant sein soll zu beantworten muss man die Zukunft sehen, denn das was man heute konzipiert, muss in ein paar Jahren relevant sein. Design Thinking ist keine neue Methode, sie inkooperiert lediglich andere Problemlösungstechniken. Die Quintessenz von Design Thinking ist, das Know-How, welches jahrelang gesammelt wurde, weiterzuentwickeln und damit jeweils den optimalen Weg zu finden. Das neue dabei ist, dass wir das Wissen wie man Entscheidungen trifft und wie Menschen auch in näherer Zukunft Entscheidungen fällen, dazu nutzen ein aktuelles Problem zu lösen.

Social Media Balloon: Herrscht nur in den Online Medien die Notwendigkeit zur Verbesserung der Usability?
Philip Zerweck:

Natürlich nicht!!

Social Media Balloon: Inwiefern unterscheiden sich die notwendigen Änderungen der Usability im Online Bereich von herkömmlichen Medien?
Philip Zerweck:

In keinster Weise!  Die Beziehung eines Individuums zu einem Gegenstand ist immer eine Interface-Frage. Wie nehme ich etwas wahr, wie kann ich es anfassen, was mache ich damit? Niemand würde sagen, dass er sich über die Usability einer Zeitschrift Gedanken macht, aber bereits vor 500 Jahren wurde der Nutzer in das Zentrum des Produkts gestellt. Nur geschah das früher eher unterbewusst und wird erst seit einigen Jahren immer mehr in den Fokus eines ganzen Tätigkeitsfeldes gerückt. Das Medium mit dem das Produkt verwoben ist, nimmt also eine vermittelnde Rolle ein. Es ist das Produkt an sich, das ausschlaggebend ist.

Social Media Balloon: Als Usability Spezialist, was fällt ihnen zu dem Begriff Best Ager spontan ein?
Philip Zerweck:

Das ist ein Label welches erzeugt wird, um Methoden in der Firmenberatung zu verkaufen. Es ist unklar was Best Ager denn überhaupt sein sollen. Heutzutage wird mit sozioökonomischen Milieus gearbeitet, die altersunabhängig sind. Ebenso arbeitet die Pädagogik mit altersunabhängigen Modellen. Best Ager kann man nicht einfach so definieren, geschweige denn in feste Teilgruppen unterteilen. Es gibt Leute die in einem gewissen Bereich der Lebensentwicklung stehen, die man meint mit so einem Begriff bewerten zu können, jedoch hat das Alter und der Lebensabschnitt in dem man sich befindet, extrem unterschiedliche Auswirkungen, je nachdem um was für eine Persönlichkeit es sich handelt. Man kann und muss im Marketing viel zielgerichteter arbeiten. Ältere Leute unterscheiden sich in der mentalen Fitness so stark, das Einteilungen in Lebensabschnitte statt in Lebensjahren einen größeren Sinn machen würde.

Social Media Balloon: Inwiefern kann Usability USPs generieren?
Philip Zerweck:

Die ganzheitliche Gestaltung eines Produktes entscheidet das Erleben durch den Nutzer, so könnte z. B. für einen Autokäufer relevant sein, wie ihn andere Menschen einschätzen, welche dieses Auto nicht besitzen. Es gibt kein Produkt welches keine Usability besitzt, sie lassen sich alle auf gute oder schlechte Usability bewerten, denn beim ganzheitlichen Betrachten eines Produkts ist die Usability ein zentrales Element. Das Verkaufspotential eines Produktes hängt sehr stark von der Usability des Produktes ab.

Der Mensch urteilt nicht rational über Funktionen, sondern emotional und somit unterbewusst.

Somit kauft er nicht das, was den besten Wert hat, sondern entscheidet nach der Sparte die ihm am Besten gefällt (Mittelklasse, Enthusiast, Einstiegsklasse), dann erst erfolgen Vergleiche auf funktionaler Ebene. Deshalb gibt auch nicht DIE Usability, sondern für die jeweiligen Lebenswelten / Milieus zugeschnittene Angebote. So lässt sich zum Beispiel der VAG Konzern aufführen, dem mehrere Marken unterliegen, welche mehr oder weniger das Gleiche bieten (Technik), allerdings völlig verschiedene Zielgruppen ansprechen.

Social Media Balloon: Im Kontext des technischen Wandels, wie wird sich das Thema Usability und digitale Transformation in der Zukunft entwickeln?
Philip Zerweck:

Usability wird sich nicht wirklich weiter entwickeln, da es sich hierbei lediglich um ein Label handelt. Schon seit der ersten Produktentwicklung, z. B. erster Bürostuhl, wurde sehr genau geplant, wurde Usability schon immer bedacht, Fragen wurden schon immer gestellt. Schon die Buchdrucker vor 400 Jahren stellten sich die typischen Fragen, wie lässt sich ein Buch am besten Lesen? Wie gestaltet man ein Buch anspruchsvoll und so, dass es eine Wertigkeit ausstrahlt, die einen potentiellen Käufer dazu animieren wird, das Buch zu kaufen. Die Bedürfnisse des Kunden waren, sind und werden noch lange an erster Stelle stehen.

Social Media Balloon: Inwiefern spielen soziale Plattformen bei dem Produkt bzw. der Designstrategie eine Rolle? Haben diese etwas verändert?
Philip Zerweck:

Dies wird überbewertet, da die Vox Populi wenig echte Hinweise liefert. Partizipatorisches Design ist deutlich komplexer und wird seit Platons Politeia diskutiert. Trends aus sozialen Plattformen filtern und danach zu handeln macht keinen Sinn, da die Trends auf den Plattformen mittlerweile von den Firmen selbst erzeugt werden.

Abschlussstatement:

Meine Erfahrung ist, dass die meisten Firmen im operativen Bereich und mittleren Management mit Buzzwords gesättigt sind. Sie wollen gute Leute haben, welche gute Arbeit machen, dafür brauchen sie junge Leute, die was drauf haben und Coaches, die die Firmen mit neuen Erkenntnissen und Einsichten voran bringen. Gleichzeitig ist das Problem, dass die Aufmerksamkeitsökonomie dafür sorgt, dass die Beraterszene permanent nach Buzzwords sucht, die sie an den Mann bringen können. Aber das wird nicht mehr lange gut gehen, weil die Leute in Firmen diese Buzzwords nicht länger hören möchten. Gestaltung, die sich nach den Bedürfnissen der Menschen richtet, war, ist und wird immer ein wichtiges Thema sein.

 

Über Artjom Fink

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